Warum ist der Führerschein so teuer? Wie kann man sparen?
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Die Kosten für den Führerschein und die Anzahl der Fahrstunden
Warum ist der Führerschein so wahnsinnig teuer geworden? Eine Analyse und ein Blick hinter die Kulissen einer Fahrschule.
Wir müssen reden.
Ja, der Führerschein ist teuer geworden. Wahnsinnig teuer sogar, für manche finanziell schon in weiter Ferne. Die Preise in Fahrschulen sind in den letzten 10 Jahren sprunghaft angestiegen. Es werden inzwischen deutlich mehr Fahrstunden nötig als noch vor 10 oder 15 Jahren, trotzdem sind die Durchfallquoten bei theoretischen und praktischen Prüfungen spürbar gestiegen – und Wiederholungsprüfungen treiben die Kosten für den Führerschein schnell noch weiter nach oben. Das ist nicht nur für Fahrschüler eine enorme psychische und finanzielle Belastung.
Aber warum ist das so? Wie viele Fahrstunden werde ich brauchen? Warum braucht ein Fahrschüler wenige und der nächste so viele Stunden? Zocken Fahrschulen ab, wenn sie viele Stunden mit mir fahren?
Sehen wir uns ein einfaches Rechenbeispiel an, das drei verschiedene Fahrschüler behandelt. Fahrschüler 1, der viele Fahrstunden fährt (60 Übungsstunden à 45 min), Fahrschüler 2 mit wenigen Fahrstunden (6 Übungsstunden à 45 min) und Fahrschüler 3 mit wenigen Fahrstunden (ebenfalls 6 Übungsstunden à 45 min), der die praktische Prüfung erst beim dritten Mal besteht, also zwei Mal durchfällt. Vor der zweiten und dritten Prüfung nimmt er noch jeweils eine Fahrstunde à 45 min, in Summe also 8 Übungsstunden. Die hier gewählten Preise sind fiktiv gewählt, aber recht realitätsnah, wenn auch lokal deutschlandweit stark schwankend (Fahrstunde im Münchener Raum oftmals über 100 €, Grundbetrag über 500 €).
Jetzt deine erste, instinktive Einschätzung: verdient eine Fahrschule an einem Fahrschüler mehr, der möglichst viele Fahrstunden fährt – oder an einem, den man möglichst schnell zur Prüfung schickt, mit wenigen Fahrstunden? Danach klicke in den Feldern auf „Umsatz Durchschnitt“.
Fahrschüler 1
viele Fahrstunden
Grundbetrag: 250 €
Sonderfahrten: 960 € (12 × 80 €)
Übungsstunden: 3900 € (60 × 65 €)
praktische Prüfung: 200 € (1 × 200 €)
Gesamt: 5310 € (72 Fahrstunden)
Umsatz Durchschnitt
Fahrschüler 2
wenige Fahrstunden
Grundbetrag: 250 €
Sonderfahrten: 960 € (12 × 80 €)
Übungsstunden: 390 € (6 × 65 €)
praktische Prüfung: 200 € (1 × 200 €)
Gesamt: 1800 € (18 Fahrstunden)
Umsatz Durchschnitt
Fahrschüler 3
wenige Fahrstunden, 3 Prüfungen
Grundbetrag: 250 €
Sonderfahrten: 960 € (12 × 80 €)
Übungsstunden: 520 € (8 × 65 €)
praktische Prüfung: 600 € (3 × 200 €)
Gesamt: 2330 € (20 Fahrstunden)
Umsatz Durchschnitt
Überrascht? Rechne gerne nach: teile den Gesamtumsatz der Fahrschule für diesen Fahrschüler durch die LE (Leistungseinheiten) à 45 Minuten. Sind Fahrschulen also „Abzocker“, wenn sie mit einem Fahrschüler viele Fahrstunden fahren? Schauen wir uns das mal an.
Welcher Fahrschüler ist für die Fahrschule am besten?
- Fahrschüler 1 ist für alle Beteiligten der ungünstigste Fall. Der Fahrschüler ist frustriert. Seine Eltern sind unzufrieden, schließlich sind die Kosten auf einmal doppelt so hoch wie ursprünglich geplant. Die Fahrschule wird nicht weiterempfohlen, weil sie so teuer sei und woanders habe ja jemand einen Führerschein für 1500 € geschafft. Der Fahrlehrer kann nicht so viele Fahrschüler bedienen wie erhofft, es kommt zu längeren Wartezeiten. Der Fahrschulinhaber macht sich Gedanken um seine Preisgestaltung und Kostendeckung, weil er an diesem Fahrschüler weniger verdient hat als er müsste, um seine Kosten zu decken.
- Fahrschüler 2 ist der Traumkandidat, auch wenn 6 Übungsstunden (bzw. 3 Doppelstunden) unrealistisch wenig sind. Fahrschüler glücklich, Eltern glücklich, Fahrschule wird weiterempfohlen, Fahrlehrer glücklich, er kann mehr Schüler bedienen. Fahrschulinhaber glücklich, Preiskalkulation stimmt. In der Zeit, die man benötigt hat, Fahrschüler 1 prüfungsreif zu bekommen, kann man vier Fahrschüler 2 ausbilden.
- Und Fahrschüler 3? Der ist nicht unglücklich, auch wenn es hätte besser laufen können. Eltern auch noch zufrieden. Finanziell gesehen für die Fahrschule sogar am besten.
Welche Gründe sind hier zu finden?
- Warum fährt Fahrschüler 1 so viele Fahrstunden?
Weil er sie braucht. Alternative aus Sicht der Fahrschule: Entweder bewegt sie den Fahrschüler zum Fahrschulwechsel oder sie schickt ihn, oft auch durch ausgeübten Druck der Eltern, trotz fehlender Prüfungsreife zur Prüfung – mit einer signifikant hohen Wahrscheinlichkeit, dass er die Prüfung nicht besteht. Sollte er doch mit Glück bestehen, kann man sich seine dann vorhandenen Fahrkünste vorstellen. Das ist zumindest mit unserem Qualitätsanspruch nicht kompatibel und auch gesetzlich nicht erlaubt. - Warum braucht Fahrschüler 2 so wenige Fahrstunden?
Vorerfahrung (z.B. schon im Besitz der Klasse A1), Naturtalent, notorischer Schwarzfahrer, Wiedererteiler nach vorherigem Entzug der Fahrerlaubnis – oder nicht den gesetzlichen Vorgaben entsprechend ausgebildet. Beispiele: nicht alle vorgeschriebenen Fahrstunden auf Schaltgetriebe bei B197 absolviert (gefordert sind hier mindestens 10 Fahrstunden auf einem Fahrzeug mit Schaltgetriebe + anschließender Schaltkompetenzprüfung), statt Sonderfahrten Parken geübt, keine Nachtfahrt gemacht. Selbstverständlich: wenn ein Fahrschüler nach 3 Doppelstunden + Sonderfahrten bereits prüfungsreif sein sollte, wird er natürlich auch zur Prüfung vorgestellt. Dies stellt aber keinesfalls die Anzahl der Fahrstunden dar, die man für den Durchschnittsfahrschüler heranziehen kann. - Warum fällt Fahrschüler 3 zwei mal durch die Prüfung, wer hatte Schuld?
Meist hört man: natürlich erstmal der Prüfer. „Der konnte mich nicht leiden“, „der wollte mich einfach durchfallen lassen“, „der musste seine Quote erfüllen“. Dann vielleicht etwas Selbstkritik – ja, vielleicht ist man den Kreisverkehr doch etwas zu schnell angefahren, hat zu spät gebremst, falsch geguckt. Beim Fahrlehrer wird die Schuld selten gesucht. „Wir sind doch schon 3 Kreisverkehre gefahren, warum fährst du da auch so schnell durch?“ – „Ja, stimmt… War zu schnell, war nervös“. Wurde er ausreichend ausgebildet? In 270 Minuten, also 4,5 Zeitstunden – das darf man zumindest bei einem Fahranfänger durchaus bezweifeln.
Wie man sieht, verdienen Fahrschulen durch viele Fahrstunden pro Fahrschüler sogar weniger. In der gesamten Ausbildungszeit von Fahrschüler 1 hätte man vier Fahrschüler vom Typ 2 ausbilden und in diesem Zeitraum vier Mal den Grundbetrag und vier Mal den Betrag für die praktische Prüfung einnehmen können. Von Fahrschüler 1 hingegen nur ein Mal. Dieses Rechenexempel selbstredend nur, wenn die Fahrschule eine ausreichende Anzahl an Fahrschülern in Ausbildung hat. Heißt: will sich eine Fahrschule eine goldene Nase verdienen, fährt sie nicht möglichst viele Fahrstunden, sondern fängt früh mit den meist teureren Sonderfahrten an und schickt Fahrschüler möglichst früh zur Prüfung. Nicht falsch verstehen: viele Fahrschulen bilden gut und gewissenhaft aus, es gibt viele gute und auch sehr gute Fahrlehrer und Fahrschulen, deren unbestrittenes Ziel es ist, gute Fahrer auf die Straße zu bringen! Genauso gibt es aber auch schwarze Schafe – wie in vielen anderen Branchen leider auch.
Es bleibt noch festzuhalten: diese Beträge „pro 45 min“ sind der Bruttoumsatz – und nicht der Gewinn, der dem Betreiber einer Fahrschule zur freien Verfügung auf dem Konto liegt. Welche Kosten von den Einnahmen durch Grundbetrag, Fahrstunden und Prüfung gedeckt werden müssen, schauen wir uns jetzt an – und kommen direkt zur Frage:
Warum sind Fahrstunden in einer Fahrschule so teuer?
Das lässt sich, neben den Kostensteigerungen, am einfachsten erklären, wenn man veranschaulicht, welcher Kostenapparat hinter Fahrschulen steckt.
Zunächst einige Preisentwicklungen von 2015 bis 2025:
- Diesel: ca. +55%
- Strom: ca. +90%
- Mieten: ca. +50%
- Mietnebenkosten: ca. +65%
- Kfz-Versicherungen: ca. +55%
- Hauptuntersuchung PKW ca. +55%
- Leasingrate VW Golf (mittlere Ausstattung): ca. +70%
- Arbeitswerte Kfz-Vertragswerkstatt: ca. +80%
- Löhne incl. Lohnnebenkosten: ca. +35%
Fahrschulen existieren selbstredend nicht aus Nächstenliebe oder bilden ehrenamtlich aus. Es sind Unternehmen, die Profit machen müssen. Dazu sind sie nicht nur gesetzlich verpflichtet, dadurch verdienen Inhaber und Fahrlehrer auch ihren Lebensunterhalt. Steigen jetzt die Kosten für Lebensunterhalt, Lohn incl. Nebenkosten, Produktion oder den Betrieb, steigen auch die Preise – das ist auf jede Branche anwendbar. Werden Produkte dadurch teurer, fordert man mehr Geld für die gleiche geleistete Arbeit, um seinen bisherigen Lebensstandard halten zu können und die Spirale geht von vorne los. Das nennt man Inflation, auch wenn darauf noch viele weitere Faktoren Einfluss haben. Davon sind Fahrschulen genauso betroffen wie alle anderen Geschäftsfelder. Schauen wir uns also an, welche Kosten hinter einer Fahrstunde stecken und was davon abgedeckt werden muss.
Was ein Fahrschüler denkt, wofür er bezahlt:
- Sprit
- Lohn Fahrlehrer
- Gewinn Fahrschule
Wofür er wirklich bezahlt:
- 19% Umsatzsteuer-Abgabe direkt an das Finanzamt
- Arbeitgeberanteil Krankenversicherung, Renten-/Pflegeversicherung, Lohnsteuer
- je nach Gesellschaftsform Gewerbesteuer, Körperschaftssteuer, Solidaritätszuschlag
- Löhne Fahrlehrer
- Löhne Büro
- Rücklagen für Angestellte: Urlaub, AU, Feiertage
- Mieten Fahrschulräume + Nebenkosten
- Mieten Garagen, Parkplätze
- Finanzierungs- bzw. Leasingraten für den gesamten Fuhrpark
- Wertverlust Fuhrpark
- Kraftstoff Fuhrpark
- Versicherung Fuhrpark
- Kfz-Steuer Fuhrpark
- HU (TÜV) Fuhrpark
- Inspektionen Fuhrpark
- Ersatzteile, Verschleiß, Betriebsmittel und Reparaturen Fuhrpark
- Berufsgenossenschaft Verkehr
- ASD Betriebsarzt
- Steuerberater
- Rechtschutz- und Haftpflichtversicherung
- Werbemittel / Außenwirkung, auch Folierung bzw. Beschriftung der Fahrschulfahrzeuge
- Homepage, Domain, Lizenzen
- Strom
- Telefon Büro, Dienstmobiltelefone
- Rundfunkbeitrag
- Gebühren Straßenverkehrsamt für Fahrschulüberwachung
- Fortbildungen lt. Fahrlehrergesetz
- Kontoführungsgebühren
- generelle Betriebsmittel Büro und Filialen: Drucker, Toner, Tinte, Porto, Büromaterialien, Computer, Beamer
Was von einer Fahrstunde bzw. den Einnahmen jetzt noch übrig geblieben ist, wird als Einzelunternehmer durch die (progressive) Einkommensteuer nochmals mit 14% bis 45% besteuert (bei einer Unternehmensgesellschaft – UG – oder einer GmbH wird dies stattdessen unter anderem durch die erwähnte Gewerbesteuer und Körperschaftssteuer abgeführt).
Vom Rest sind zu zahlen:
- eigene Miete für Wohnung + Nebenkosten
- eigene Kranken-, Renten- und Pflegeversicherung
- 1%-Regelung für das Fahrschulauto, wenn man es auch privat nutzt
- Strom
- Internet, Handy
- Da man als Selbständiger keinen Rentenanspruch hat, muss man selbst vorsorgen. Sparbuch oder Lebensversicherung bringen schon lange nichts mehr. Also in einen breit gefächerten, diversifizierten ETF anlegen? Auf die Rendite werden dann 25% Kapitalertragsteuer fällig.
Bis zu diesem Punkt hat man übrigens noch einen leeren Kühlschrank. Erkennt man das Hauptproblem? Es ist eine Ausgeburt an Bürokratie und Abgabenlast. Und jetzt kommt Facebook-Dieter um die Ecke und erklärt, dass Fahrschulen abzocken, denn mehr als 20 € dürfe eine Fahrstunde nach seiner Berechnung nicht kosten. Das seien ja eigentlich 40 Mark und seine Fahrstunden (davon hatte er damals zwischen 1 und 3) hatten ja schon 30 Mark gekostet. Und ein Golf reiche als Fahrschulauto ja auch.
Zum letztgenannten Einwand bleibt zustimmend klar zu sagen: natürlich reicht ein Golf als Fahrschulauto aus, über Jahrzehnte war es aus gutem Grund das etablierte Fahrschul-Standardmodell. Ich habe meinen Autoführerschein damals auch auf einem Golf gemacht und mein erstes Fahrschulauto als frisch gebackener Fahrlehrer war – ein Golf. Relativ günstig, zuverlässig, ausreichend Platz, einfach zu fahren. VW hat sich allerdings aus dem Fahrschulgeschäft mehr oder weniger komplett zurückgezogen, zumindest bieten andere Hersteller inzwischen deutlich attraktivere Konditionen und Wartungspakete an.
Wie jetzt die Authentizität zu bewerten ist, sich über den gesamten Kostenapparat zu beschweren, mit mitleidigem Blick die Preise hochzuschrauben und dann mit SUVs in der 75.000 €-Preisklasse zu schulen, möge sich aber jeder selbst beantworten.
Natürlich bleibt am Ende auch etwas hängen, sonst würde niemand eine Fahrschule betreiben. Die Liste soll veranschaulichen, welche zahlreichen Posten dahinter stecken, die die Endpreise signifikant nach oben peitschen – und es wird noch weiter nach oben gehen. Kommen wir deshalb zur Frage, die jeden potentiellen Fahrschüler interessiert:
Wird der Führerschein denn wieder billiger?
Das Verkehrsministerium fährt seit langem den Traum „Vision Zero“, sprich null Verkehrstote im Jahr. Das ist unrealistisch, es ist selbstredend eine Vision, trotzdem ist dieser eingeschlagene Kurs gut und richtig, denn jeder einzelne Verkehrstote ist ohne Frage einer zu viel. Folgerichtig wird von Fahrschülern heute eine deutlichere Souveränität, ein höheres Maß an Routine bei Prüfungen erwartet. Rumschleichen, trödeln, zu unsicher – das wird nicht mehr so einfach durchgewunken. Das Basiswissen dafür, bevor ein Fahranfänger alleine auf die Straße gelassen wird, wird in der Fahrschule geschaffen, „richtig fahren lernt man ja erst nach der Fahrschule“ ist vorbei. Leider wurde hier mit dem B197 und den nur mindestens 5 geforderten Doppelstunden auf Schaltgetriebe in dieser Hinsicht ein Rückschritt gemacht. In dieser kurzen Zeit lernen es die meisten Fahrschüler nicht, richtig mit einem Schaltgetriebe umzugehen – wobei man so viele Fahrstunden auf Schaltgetriebe fahren muss, bis man es richtig kann. Dafür ist die Schaltkompetenzprüfung gedacht, die aber durch den Fahrlehrer abgenommen wird und so wieder Raum zu „kreativen“ Dokumentationen schafft. Mit der Folge, dass man dann zwar die Prüfung bestanden und den Führerschein in der Hand hat, mit dem Auto aber überhaupt nicht zurecht kommt. Also erstmal von den Eltern beibringen lassen, wie man das Auto fährt, obwohl man gerade einen nicht unerheblichen Geldbetrag an die Fahrschule überwiesen hat.
Beinhaltete eine Prüfung anno 1987 „eine Runde durchs Dorf fahren, 1x Stoppschild, 2x rechts vor links und noch kurz einparken“, wird heute die Fahrzeugtechnik, insbesondere Assistenzsysteme wie Abstandsregeltempomat, Spurhalteassistent, Toter-Winkel-Assistent usw. immer stärker in Prüfungsinhalte eingebunden. Das resultiert in einer deutlich umfangreicheren Ausbildung und ist einer der Gründe, warum aktuell mehr Fahrstunden benötigt werden als vor 15 Jahren sowie die Begründung, warum zum 1. Januar 2021 die praktische Prüfungszeit der Klasse B von 45 auf 55 Minuten verlängert wurde – neben der Einführung des elektronischen Prüfprotokolls. Weitere Gründe für die gestiegene Fahrstundenanzahl sind sowohl die oftmals kürzere Aufmerksamkeitsspanne der Fahrschüler, weniger Vorerfahrung und Interesse am Straßenverkehr und auch höhere Belastung durch Schule, Klausuren und Abitur. Zumindest hat sich der letzte Punkt durch die Rückkehr zu G9 wieder merklich gebessert.
Der aktuelle Verkehrsminister, Patrick Schnieder, hat im Oktober 2025 einige Eckpunkte vorgeschlagen, um den Führerschein günstiger zu machen. Löblich – und ganz klar: ja, der Führerschein ist zu teuer – einen Hauptgrund dafür haben wir im letzten Kapitel gesehen. Zuerst aber ein
Ausblick auf die nächsten Jahre:
- 2026 steigt die Abgabelast für eine Tonne CO2 von 55 auf 65 Euro
- 2027 Einführung CO2-Emissionshandel (EU-ETS 2) mit erwarteten Preissteigerungen von 90 bis 120% pro Tonne CO2. Der Kraftstoffpreis ist davon direkt betroffen
- Beitragsanpassung PKV um voraussichtlich kumulierte 15% und mehr, GKV dito
- weiterer Anstieg Mindestlohn
- aktuell Diskussion Erhöhung Kapitalertragsteuer von 25 auf 30%
- Grundsteuer steigt: höhere Mieten für Fahrschulräume
- Kfz-Versicherung: Prognose für die nächsten drei Jahre +10 bis 30%
- Hauptuntersuchung wird teurer
- Besteuerung Elektro-PKW (bisher von der Kfz-Steuer befreit)
- sowie weitere Erhöhungen von Steuern, Lohnnebenkosten, Betriebskosten, CO2-Abgaben und weitere Einschränkungen.
Wie sollen Fahrschulen unter diesen Voraussetzungen ihre Preise senken können? Das Gegenteil wird passieren: Fahrschulen werden ihre Preise auch erhöhen müssen, um ihre Kosten decken zu können.
Schauen wir uns einige Vorschläge unseres Verkehrsministers an:
- Keine Vorgabe mehr zu Schulungsräumen, Fahrschulen müssten keine Räumlichkeiten mehr bereithalten.
- Entfall Fahrschulautos mit Schaltgetriebe für B197, Schulungseinheiten mit Schaltgetriebe nur noch auf dem Simulator.
- Abschaffung Präsenzunterricht, hin zum Online-Unterricht. Laut seiner Aussage habe der Online-Unterricht zu Corona-Zeiten bereits hervorragend funktioniert. Woher er diesen Erfahrungswert hat, wurde nicht erwähnt.
- Laienausbildung: nach 3 Doppelstunden im Fahrschulauto und bestandener Theorieprüfung darf im privaten PKW z.B. mit Eltern geübt werden.
- Reduktion der bisherigen Sonderfahrten von 5 Überland, 4 Autobahn und 3 Nachtfahrten auf nur noch jeweils eine Fahrstunde ÜL / AB / NF
- Reduktion der Fahrzeit bei der praktischen Prüfung auf 25 Minuten
Interessant zu wissen:
- Wie es zu einigen der Vorschläge unseres Verkehrsministers Schnieder kam und wer unter anderem darin involviert war, findet sich in diesem Artikel auf presseportal.de. Sieht man sich danach dieses YouTube-Video ab 2:16 min an, könnte man sich fragen, welche Absicht dahinter steckt. Dies bleibt aber der Fantasie jedes Einzelnen überlassen und wird von mir bewusst nicht kommentiert.
- Unterrichtsleistungen, die dem Schul- und Bildungszweck dienen, sind lt. §4 Abs. 21 UStG von der Umsatzsteuer befreit. Da dies für Fahrschulen nicht angewendet werden durfte, wurde geklagt, da Fahrschulen ihre Arbeit durchaus als Bildungsauftrag sahen und sehen. Der BFH sah das anders und wies die Klage ab. Der Wegfall der Umsatzsteuerpflicht hätte indes dazu geführt, dass Fahrschulen auf ihre Grundbeträge oder Fahrstunden nicht mehr 19% USt aufschlagen und an das Finanzamt hätten abführen müssen. Das wäre ein einfaches und effektives Instrument zur Kostensenkung gewesen.
- Gibt eine Fahrschule einem Fahrschüler z.B. Lernmaterial zum Einkaufspreis weiter, verstößt sie als Unternehmen gegen die Gewinnerzielungsabsicht und wird einen nervösen Anruf ihres Steuerberaters bekommen (so kürzlich passiert, nennt sich im Steuerrecht „Liebhaberei“, die Namensgebung ist aber mutmaßlich nicht auf eine emotionale Verbundenheit zwischen Selbständigen und deren zuständigen Sachbearbeitern des Finanzamts zurückzuführen).
Stand Januar 2026
Also: aus der Traum vom erschwinglichen Führerschein?
Nein, so weit sind wir noch nicht. Es bringt aber zumindest nichts, abzuwarten und auf signifikante Preissenkungen zu hoffen. Im Gegenteil, ich vermute, dass er noch teurer wird:
Wie kann man sparen?
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